FeedKümmel
PflanzenreichBrockhaus 1882

Kümmel (Carum J.) ist eine zur Familie der Doldengewächse gehörende Pflanzengattung, die sich durch den Mangel der Kelchzähne, längliche Früchte mit 10 gleichen, fadenförmigen Riefen und einstriemigen Rillen und durch weiße Blüten mit regelmäßigen, verkehrt-herzrörmigen Blumenblättern auszeichnet. Zu ihr gehört der gemeine Kümmel(C. Carvi), auch Karve genannt, der auf Wiesen und Triften in ganz Europa wild wächst und in mehrern Gegenden Deutschlands, besonders um Halle, in der Gegend von Erfurt, in Unterfranken bei Schweinfurt und in Anhalt, als Gewürzpflanze im Großen kultiviert wird. Derselbe zeichnet sich durch seine doppeltgefiederten Blätter, durch die vielspaltigen Nebenblätter am Grunde der Blattscheiden und den Mangel der Hüllblätter und Hüllblättchen der Dolde aus. Er blüht im Mai und Juni, zuweilen noch einmal im Herbste und ist Biah jährig. Das grüne Kraut ist ein sehr gutes Viehfutter. Die braunen, eigentümlich gewürzhaft riechenden und schmeckenden Früchte dienen als be. liebtes Gewürz an Speisen, für Käse, Brot u. s. w. auch wird aus ihnen das ätherische Kümmelö! (Oleum Carvi) bereitet. Außerdem dienen sie zur Verfertigung eines beliebten Branntweins und ir der Medizin als blähungtreibendes und magenstärkendes Heilmittel. Die Wurzel wird durch Kultur größer und schmackhaft und kann gegessen werden. Einen großen Feind hat der K. an der Kümmelmotte (Hlaemylis daucella), deren Raupe mittels einiger Fäden die Dolden zusammenzieht und die Blüten und jungen Samen frißt. Mit dem Namen römischer, ägyptischer, langer oder scharfer K. wird der in Agypten und Athiopien einheimische und in Südeuropa angebaute Kreuzkümmel oder Mutterkümmel (Cuminum Cyminum J.) bezeichnet, dessen Früchte im allgemeinen zwar mit dem gemeinen K. in den Kräften übereinkommen, jedoch noch weit intensiver wirken. Letzterer enthält das Römisch-Kümmel⸗ oder Mutterkümmelöl (Oleum Cumini Cymini), das aus einem Kohlenwasserstoffe, dem Cy mol, und dem sauerstoffhaltigen Cuminol besteht, welches letztere durch Sauerstoffaufnahme in die krystallinische Cuminsäure übergeht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 665Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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