FeedLas Casas (Fray Bartolomé de)
ReligionBrockhaus 1882

Las Casas (Fray Bartolomé de), Bischof von Chiapas in Mexiko, ein edler Menschenfreund, geb. zu Sevilla 1474, studierte in Salamanca und begleitete um 1502 den zum Gouverneur von Santo-Domingo ernannten Don Nicolas de Ovando nach der Neuen Welt. Acht Jahre nach seiner Ankunft daselbst wurde er zum Priester geweiht und zum Pfarrer auf Cuba ernannt. Um Maßregeln zum Schutze der Eingeborenen durchzusetzen, ging er mehreremal nach Spanien, wurde aber in seinen Bemühungen wenig gefördert und zog sich daher in das Dominikanerkloster auf Hispaniola zurück, wo er seine Historia general de las Indiaso begann. Seine Brevisima relacion de la destruccion de las Indiaso wurde fast in alle Sprachen Europas übersetzt (deutsch von Andrä, Berl. 1790). Später wurde er Bischof von Chiapas in einer armen, von Wilden bewohnten Gegend. L. starb im Juli 1566 zu Madrid in dem Kloster seines Ordens von Atocha. Eine Sammlung seiner Werke erschien zu Sevilla (1552). Llorente gab mehrere Schriften L. in franz. übersetzung heraus (2 Bde., Par. 1822). Vgl. Helps, Life of L.v (2. Aufl., Lond. 1868). Las Cases (Emmanuel Augustin Dieudonné, Marquis de), der Begleiter und Historiograph Napoleons I. auf St. Helena, geb. 1766 auf dem Schlosse Las Cases bei Revel, diente vor der Revolution als Lieutenant in der Marine. Als Anhänger des Hofs wanderte er 1791 aus, beteiligte sich in der Armee Condés am Feldzuge von 1792 und ging dann nach England. Nach der Expedition von Quiberon, welcher er beiwohnte, blieb er in England und erteilte dort Privatunterricht. Die Ereignisse vom 18. Brumaire führten ihn nach Frankreich zurück. Durch seinen Atlas historiquen, den er unter dem Namen Lesage (Par. 1803—4; neueste Aufl., 8 Bde., Par. 1840; deutsch bearbeitet und vermehrt von Dusch und Eyselein, Karlsr. 1826—27) herausgab, lenkte er die Aufmerksamkeit Napoleons J. auf sich, der ihn 1808 zum Baron und später zum Requétenmeister im Staatsrat erhob. Im J. 1814 übernahm er den Befehl über eine Legion der neuerrichteten Nationalgarde. Während der Hundert Tage wurde L. zum Staatsrat und Kammerherrn des Kaisers erhoben und folgte diesem in Gemeinschaft mit seinem ältesten Sohne nach St. Helena. Napoleon diktierte ihm hier einen Teil seiner Memoiren. Ein freimütiger Brief, den L. ohne Wissen des Kommandanten Hudson Lowe an Lucian Bonaparte nach Europa zu befördern suchte, hatte indessen zur Folge, daß er 27. Nov. 1816 nebst seinem Sohne von Napoleon getrennt und, nach achtmonatlicher Gefangenschaft auf dem Kap der Guten Hoffnung, nach Europa zurückgebracht wurde. Seitdem lebte L. in Belgien und that alle möglichen Schritte, um das Los des gefangenen Kaisers zu mildern. Erst nachdem Napoleon gestorben, kehrte er nach Frankreich zurück, wo er das Mémorial de Ste.-Hélene (8 Bde., Par. 1823 —24; veränderte Aufl. 1824 u. öfter; deutsch, 9 Bde., Stuttg. 1822 —26) herausgab. Dasselbe muß als eine wichtige Quelle für die Geschichte Napoleons gelten, doch hat L. die Materialien überarbeitet. Vgl. Grille und Musset-Pathay, La suite au mémoriabo (2 Bde., Par. 1824). Nach der Julirevolution trat L. als Abgeordneter des Arrondissements von St.⸗Denis in die Kammer, wo er seinen Sitz auf der äußersten Linken nahm. Er starb 15. Mai 1842. Emmanuel Pons Dieudonné, erst Baron, dann Graf de L., des vorigen Sohn, geb. 8. Juni 1800 zu St.⸗Meen im Depart. Finistere, diente auf St. Helena Napoleon als Sekretär. Er nahm als konstitutionell Gesinnter an der Julirevolution lebhaften Anteil, trat in die Kammer ein, wo er sich der neuen Dynastie sehr ergeben zeigte, und begleitete 1840 den Prinzen von Joinville zur Abholung der Überreste des Kaisers nach St. Helena, worauf er das «Journal écrit à bord de la frégate la Belle-Poules (Par. 1841) herausgab. Nach der Revolution von 1848 schloß er sich Ludwig Napoleon an und wurde von ihm 31. Dez. 1853 zum Senator ernannt. L. starb 8. Juli 1854.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 825Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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