Brotwasser, ein einfaches und eben darum vorzügliches Krankengetränk, das durch die französischen Militärärzte der napoleonischen Zeit in ganz Europa eingebürgert wurde. Eine Scheibe gerösteten Brotes wird einfach mit kochendem Wasser abgebrüht und der Trank mit Zucker gesüßt oder mit einem Fruchtsafte gewürzt. Absolut nothwendig ist das Kranksein nicht, um diesem Getränke Geschmack abzugewinnen. Das Magenmittel dagegen, das unter dem Namen „Brotwasser“ durch Auslaugung von weichem Brot, Zimmt, Nelken, Muskatnuß u. s. w. in erwärmtem Weißwein hergestellt wird, ist ein reines Quacksalbergebräu, das in eine beliebige Hexenküche, nicht aber ins Krankenzimmer oder gar auf den Frühstückstisch gehört.
Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 70Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei