FeedHagebutten
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Hagebutten, in Oesterreich und Bayern Hetschepetsch, die glatten, glänzend rothen Scheinfrüchte der Hecken⸗ oder Hagerose, der Weinrose und der Filzrose spielen in der Küche ungefähr dieselbe Rolle wie die Brombeeren, d. h. man benutzt sie, wo sie sich bieten, ohne sich irgendwie mit der Cultur des Strauches seiner Früchte wegen zu befassen. In der preußischen Provinz Sachsen und in Anhalt, wo die Heckenrose allerdings seit zwanzig Jahren recht selten geworden ist, weil man alle zum Veredeln tauglichen Stämme in die Gärten versetzt hat, werden die Hagebutten überhaupt nicht beachtet und dienen höchstens den Kindern roh als angenehme Näscherei. Man hat dort keine blasse Ahnung davon, daß Hagebuttensuppe, kunstgerecht mit Zucker, Sago und einer Idee Eitronensäure versetzt, einer guten Weinsuppe gleichkommt — von der trefflichen Hagebuttensauee und dem reizend säuerlichen Hagebutteneompot ganz zu geschweigen. Das Einsieden mit Zucker und Weinbeeren ist natürlich in jenen Gegenden erst recht unbekannt. Die österreichische Küche dagegen ist nicht nur durchaus mit diesen Gerichten und Würzpräparaten vertraut, sondern hat überdies den Vortheil, ein ganz vorteffliches „Hetscherl-Compot“ fix und fertig aus der Baumer'schen Obst-Conservenfabrik in Perchtoldsdorf beziehen zu können.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 217Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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