FeedHirse
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Hirse, der Weizen der Sanddistricte, unter allen Rispengräsern dasjenige, das trotz vieltausendjähriger Cultur den ursprünglichen Charakter am treulichsten festgehalten hat, ist keineswegs indischen, sondern höchst wahrscheinlich arabischägyptischen Ursprungs, aber schon in vorgeschichtlicher Zeit namentlich über Osteuropa, Westasien, Indien und China verbreitet worden. Man baut zur Zeit hauptsächlich zwei Sorten, die echte Rispenhirse und eine zweite Art mit blutrothen Halmen und Blättern, die sogenannte Blut⸗ oder Mannahirse, welche die Mannagrütze liefert. Oesterreich erzeugt jährlich im Durchschnitt 900 000 hl namentlich in Ostgalizien, Krain, Steiermark und Mähren und führt überdies jährlich 100 000 —120 000 g aus Rußland und Rumänien ein. Die Nahrhaftigkeit der Hirse ist über allen Zweifel erhaben, mit der Verdaulichkeit aber hapert's ein wenig, und sie galt daher von jeher für ein Holzhacker⸗ oder Bauerngericht. In Oesterreich und Deutschland verarbeitet man sie hauptsächlich zu Grütze und kocht daraus mit Milch oder Wasser den berühmten Hirsebrei, der mit einer möglichst dicken Lage von gestoßenem Zimmt und Zucker als Vorspeise nicht übel ist. In Italien fabrieirt man auch Hirsemehl und backt daraus Brot, das frisch angenehm schmeckt, aber sehr rasch spröde und trocken wird.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 232Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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