Petersilie, die Maiblume der europäischen Küche, oberdeutsch Peterli, Peterling oder Peterlein, gehört zur Sippe des Kümmels und ist mit Ausschluß des eigentlichen Griechenlands in ganz Südeuropa von Spanien bis Macedonien zu Hause, kommt auch in Niederösterreich verwildert vor. Griechen und Römer benutzten ausschließlich die wilde Pflanze. Erst in der Liste Karls des Großen erscheint die Petersilie als Gartengewächs, sowie um 1070 unter den Küchenkräutern des Klosters Hirsau in Württemberg. In England wurde sie als Culturgewächs erst 1548 von Sardinien her eingebürgert. Etwa seit jener Zeit aber ist sie in ganz Europa das gemeinste und vielgebrauchteste aller Küchenkräuter, das unbekümmert um der Jahreszeiten Wechsel täglich in Maiengrüne auf den Tisch kommt und uns den Frühling wenn nicht ins Herz, doch in die Suppe, um Fisch und Braten zaubert, was in Ermanglung eines Bessern beinahe ebenso gut ist. Die glänzend grüne Farbe und der aromatische Geruch des Krautes, der auf einen kleinen Gehalt an ätherischem Oel geruht, sichern der Petersilie um so mehr die erste Stelle unter unsern Blattgewürzen, da die Cultur in der krausblättrigen Spielart auch der Freude an derschönen Form ein Genüge geschafft hat. Bemerkenswerth ist überhaupt, daß die Cultur in der verhältnißmäßig kurzen Zeit, seitdem sie sich mit der Petersilie beschäftigt, schon zwei so scharf verschiedene Spielarten wie die krausblättrige Schnittpetersilie, von der nur die Blätter als Gewürz benutzt werden, und die breitblättrige Wurzelpetersilie mit dicker, fleischiger, bis 60 em langer Wurzel hervorzubringen und stehend zu machen vermocht hat. In Oesterreich und Deutschland freilich macht man von der Wurzel nur sehr geringen, meistens nur gelegentlichen Gebrauch, „weil ihr süßlicher Geschmack doch auf die Länge ermüden möchte“, wie Rumohr richtig bemerkt; in Frankreich dagegen und besonders in England sieht man das Petersilienwurzelgemüse beinahe für eine bemerkenswerthe Schüssel an. Von der Schnittpetersilie aber gelten für ganz Europa noch heute die Worte Marbergers vom Jahre 1716: „In Summa, die grüne Petersilie ist ein Gewürz, so allen Speisen einen sehr schönen Geschmack gibt, auch zu allen gebrauchet wird, sowohl wegen des guten Geruchs, wie wegen ihrer Farbe“.