FeedHofmannswaldau
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Hofmannswaldau (Christian Hofmann von), einer der Stifter der zweiten schles. Dichterünert geb. 25. Dez. 1617 zu Breslau, wo sein Vater aiserl. Kammerrat war, zeigte schon vort und auf dem Gymnasium zu Danzig Anlage zur Poesie und studierte zu Leiden. Als Gesellschafter eines Fürsten bereiste er die Niederlande, England, Frankreich und Italien und erhielt nach seiner Rückkehr, noch ohne das erforderliche Alter erreicht zu haben, die Stelle eines Ratsherrn in seiner Vaterstadt. Er leistete der letztern bei mehrern diplomatischen Sendungen, besonders am kaiserl. Hofe zu Wien, gute Dienste und starb als Präsident des Ratskollegiums und kaiserl. Rat zu Breslau 18. April 1679. Die verständige Einfachheit der ersten schles. Dichterschule, die freilich auch zur Nüchternheit und Plattheit ausartete, schlug in ihm und Lohenstein (s. d.) hum Extrem des Schwulstes, des Antithesen- und Bilderwustes um. Die rein finnliche Liebe war der Gegenstand, welchen er vorzugsweise mit einem wahrhaft erstaunlichen Aufwande von Wortspielen, Antithesen, witzigen Gleichnissen und pomphaften Bildern behandelte. Hierher gehoren besonders seine Galanten Gelegenheitsgedichtes und seine zum Teil dem Italiener Marini nachgebildeten Heroiden, die unter dem Titel «Kuriose Heldenbriefe und andere herrliche Gedichter (Bresl. 1673) erschienen. Auch schrieb er einen «Sterbenden Sokrateso in Prosa mit untermischten Versen und übersetzte Guarinis «Pastor fido v. Eine vollständige, zugleich Gedichte von Lohenstein, Besser, crteueg u. a. enthaltende Gesamtausgabe seiner „Werkes besorgte Neukirch (7 Bde., Lpz. 1695—1727; neue Aufl. 1734); eine Auswahl enthält die «Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrh. » (Bd. 14, Lpz. 1838).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 306Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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