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Bildende KunstBrockhaus 1882

Illustrationen nennt man Bilder, welche in den gedruckten Text der Bücher eingeschaltet sind. Die 5 sind älter als die Buchdruckerkunst, denn es gibt Handschriften, in welche Holzschnitte eingedruckt sind. Der Holztafeldruck gab den Anstoß zur Erfindung der Buchdruckerkunst, und da Briefdrucker Buchdrucker wurden, so wurde fortan in Bilderbüchern der Text typographisch hergestellt. Den übergang bildet eine Ausgabe des Speculum humanae salvationiso eines unbekannten Druckers, in welchem die erste Hälfte durchaus Holztafeldruck ist, während die zweite Hälfte den Text zu den Bildern im Typendruck enthält. Die ältesten illustrierten gedruckten Bücher sind die von Albrecht Pfister in Bamberg (1461—62) mit den Typen der 36zeiligen Bibel gedruckten Bücher: 1) »Klage gegen den Todo, 2) 4Biblia pauperume, 3) Boners Edelsteino, 4) «Die vier Historieno. Die J. der damaligen Zeit waren sehr roh, die Verwendung der Holzschnitte läßt auf eine große Naivetät sowohl der Drucker als des Lesepublikums schließen. In der von Peter Schöffer 1492 gedruckten Sachsen-Chroniko findet man alle größern Städte und viele Porträts; diese J. bestehen aber nur aus drei bis vier Städtebildern, ein paar Ritter⸗, Damen⸗ und Bischofsbildern, welche willkürlich verwendet wurden; dasselbe Städtebild stellt Rom, Salzwedel, Goslar vor; ein anderes Halberstadt und Münster, ein drittes Hamburg und Hildesheim, der dazugedruckte Name ist das einzig Unterscheidende; ebenso verhielt es sich mit den Vorträts. Die in Frankreich gedruckte Prophezeiung Merlinso hat ebenfalls nur drei Holzschnitte: eine Schlacht, eine Belagerung und einen Edeln mit Gefolge, welche für die verschiedensten Begebeneiten dienen müssen. Eine rühmliche Ausnahme ildet des »Maler Rewich Reise in das gelobte Lando, dessen Ansichten und Figuren treue Originale sind. Feine Holzschnitte, wie die in den Büchern Pigouchets zu Paris oder der Brüder Giov. und Greg. da Gregoriis in Venedig, lassen die Verwendung des Buchsbaums vermuten, die nach dem Zeugnis des lyoner Buchdruckers Trechsel schon damals bekannt war. Außer den Genannten zeichneten sich im 15. Jahrh. durch Verwendung der Holzschnitte folgende Buchdrucker aus: Günther Zainer in Augsburg, Johann Zainer in Ulm, Johann Bämler in Augsburg, Heinrich Quentell in Köln, Anton Koberger in Nürnberg (der hier eine Xylographen75061 ins Leben rief, an deren Spitze Michael ohlgemuth, der Lehrer Dürers und Wilhelm Pleydenwurf standen), Ludwig Hohenwang und Leonhard Hol in Ulm, Bartholomäus Gothau in Lübeck, Martin Schott in Straßburg, Hans Schönsperger in Augsburg, Antoine Verard und Simon Bostre in Paris. Neben dem Holzschnitt kam auch der Kupferstich in Gebrauch. Sweynheym stach die Tafeln zum Ptolemäuso, welche nach seinem Tode von Arnold Bucking vollendet wurden, in Nicholas de Lorenzos Monte Santo di Dio (Flor. 1477) wurden ahrhudert als J. verwendet. Im folenden Jahrhundert entwickelte sich die J. zu herricher Blüte. In Deutschland hielten es die berühmtesten Maler: Dürer, Cranach, Holbein, nicht unter ihrer Würde, J. zu Büchern zu liefern; außer ihnen thaten sich hervor: der nürnberger Formschneider Hieronymus, Jost Amman (f. d.), Hans Schäufelin und Jost Dienecker, welcher den «Theuerdank v illustrierte, Hans Burgmair in Nürnberg, Daniel Hopfer in Saig. W. Bernhard Jobin in Straßburg, Jakob Lucius, R ikolaus Nerlich, Martin Schöve, Virgilius Solis. Ein in Straßburg gemachter Versuch, Holzschnitte in Farbe zu drucken, mißglückte, die Pressen waren dazu noch nicht geeignet. In Frankreich zeichnete sich Geofroy Tory als Illustrator aus, Italien dagegen zeigte in diesem Jahrhundert einen Rückschritt in der J. Ein gleicher Rückschritt trat im folgenden Jahrhundert auch in Deutschland ein; der Holzschnitt wurde ganz vernachlässigt, man zog es vor, den Büchern Kupferstiche beizugeben. Der Holzschnitt wurde roh und handwerksmäßig geübt und nur zu Kalendern und Volksbüchern verwendet. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. wurde der Holzschnitt durch Thomas Bewick (s. d.) wieder zur Kunstleistung erhoben und England fortan die Pflegestätte desselben. In Deutschland waren es zu Anfang des 19. Jahrh. die beiden Unger (Vater und Sohn), nach ihm Fr. W. Gubitz und Fr. W. Unzelmann, welche den Holzschnitt meisterhaft ausführten, ihnen folgte E. Kretzschmar als Bahnbrecher und der im xylographischen Farbendruck unerreichte Heinrich Knöfle in Wien. Jetzt hat sich die illustrierte Litteratur über alle Länder verbreitet. Je nach dem Zwecke kann man mehrere Klassen der illustrierten Litteratur unterscheiden. Die J. in mathem., naturhistor., physik., geolog., technischen und verwandten Werken, deren Holzschnitte die Tafeln in Kupferstich oder Lithographie fast ganz verdrängten, sowie die Porträts, Wappen, Autographen, die Pläne u. s. w. in historischen, die Abbildungen von Gegenständen der Kunst und des Kunstfleißes in kunst⸗ und kulturgeschichtlichen Werken verfolgen vorwiegend didaktische Zwecke. Anders verhält es sich mit den Schriften, denen das Bild mehr zur Zierde als zur Erläuterung dient, den eigentlich sog. illustrierten Werken. Abgesehen von den Kinder⸗ und Jugendschriften gehören hierher diejenigen Erzeugnisse, bei die von Künstlerhand gezeichneten Bilder die Hauptsache, der Text mehr oder minder Nebensache ist, dann aber auch die illustrierten Ausgaben hervorragender Litteraturwerke. Die J. sind in diesen Fällen künstlerische Leistungen, welche den Genuß der poetischen Schöpfungen erhöhen. In Frankreich haben geschickte Zeichner, wie die Brüder Deveria und Johannot, Gavarni, Grandville, Meissonnier, Raffet, Bertal, Dore u. a., eine große Fülle geistreicher Erfindungen in illustrierten Büchern und Zeitschriften Lenden Male In Deutschland lieferten hervorragende Maler auch Zeichnungen zu J. in Holzschnitt, besonders für bedeutende Dichtwerke, wie Ludwig Richter, Adolf Menzel, Schnorr von Carolsfeld, Hosemann, Eugen Neureuther, Kaulbach, Führich, Schrödter, Jordan, Hübner, Bendemann, Andreä, in neuester Zeit Vautier, Thumann, Burger, Diez, Scheuren, Grot Johann u. a. Während bei J. rein künstlerischer Art neben dem Holzschnitt auch noch der Kupfer⸗ und Stahlstich sowie die Lithographie ihr Recht behaupten, herrscht der Holzschnitt unbedingt auf dem Gebiete der journalistischen J.; ja dieselbe ist erst mit und durch den technischen Di ekie der Xylographie möglich geworden. Die ersten illustrierten Zeitschriften wurden in England begründet, wo das Penny Magazines (1832) und einige Zeit darauf die Illustrated London Newso (1842) die Borbilder für die beiden Hauptklassen aller illustrierten Blätter der Folgezeit geworden sind. In Deutschland erschien 1833 —55 das Pfennig-Magazinv; 1843 wurde die «Illustrirte Zeitunge von Weber in Leipzig begonnen, neben welcher 1857 das von Hallberger zu Stuttgart begründete Blatt aüber Land und Meerr erstand. Das «Pfennig-Magazino wurde der Vorläufer einer großen Anzahl von Blättern für Unterhaltung und Belehrung, unter denen die (Gartenlauber (Lpz., seit 1853) die größte Popularität erlangte. Andere Arten von illustrierten Blättern bilden die humoristischen und satirischen, deren Reihe in Deutschland mit den Fliegenden Blätterno (München) begann, sowie die illustrierten Muster⸗ und Modezeitungen, unter denen der „Bazaro und die Modenwelto (Berlin) die ersten Stellen einnehmen. IIlustre (frz.), soviel wie ILIustris (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 541Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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