FeedChauvinismus
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Chauvinismus ist ein erst in neuerer Zeit in der franz. Sprache eingebürgertes Wort. Dasselbe ist abzuleiten von Chauvin, dem Namen einer in dem Lustspiel La cocarde tricolores von den Brüdern Theodore und Hippolyte Cognard auftretenden Person. Dieses Lustspiel wurde am 19. März 1831 zum ersten mal im Theater der Folies Dramatiques zu Paris aufgeführt; es spielt in Afrika und behandelt die Eroberung von Algier. Den Namen Chauvin führt ein junger Rekrut, der viel spricht, große Tapferkeit entwickelt und mehrere Couplets zu singen hat mit dem Refrain: JI'suis Français, j'suis Chauvin, J'tape sur le Bédouino. Doch haben die Brüder Cognard den Namen nicht erfunden, sondern (wie im pariser Pigaroy von 1882, Nr. 41, nachgewiesen wird) einer wirklichen Person entlehnt und zwar dem Nicolas Chauvin, einem abgedankten Napoleonischen Soldaten, welcher seinerzeit in Paris wegen seiner Schwärmerei für den Kaiser allgemein bekannt war. Infolge des obengenannten Lustspiels wurde der Ausdruck C. gebräuchlich zur Bezeichnung eines übertriebenen und säbelrasselnden Patriotismus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 218Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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