Dionysius Areopagita befand sich nach Apostelg. 17, 34 unter denen, welche durch die Predigt des Paulus zu Athen bekehrt wurden. Er war Mitglied des Areopags, wurde nach spätern Berichten erster Bischof von Athen und starb unter Hadrian oder Domitian den Märtyrertod. Auf dem Religionsgespräch, welches auf Befehl Justinians 533 zu Konstantinopel zwischen monophysitischen Severianern und Katholiken abgehalten wurde, beriefen 0 jene für ihre Lehre von Einer Natur Christi auf Schriften, welche sie dem D. zuschrieben. Jene Schriften tragen aber so deutliche Spuren einer spätern Zeit, daß sie wahrscheinlich erst kurz vor ihrer ersten Erwähnung (533) geschrieben worden sind. Es sind ihrer ht über die himmlische Hierarchie, über die kirchliche Hierarchie, über den göttlichen Namen, über die mystische Theologie und elf Briefe. Sie bezeichnen einen merkwürdigen Versuch zur Verschmelzung neuplatonischer Spekulation mit den Lehren der christl. Religion. Einen tiefgehenden Einfluß auf die kath. Theologie gewannen diese Schriften dadurch, daß sie nach ihrer Verpflanzung nach Frankreich und nach ihrer Übersetzung ins Lateinische der Ausgangspunkt der mittelalterlichen Mystik wurden. Stephan II. sandte sie 758 an den Frankenkönig Pipin, Hadrian I. (772—795) an den Abt Fulrad von St.⸗ Denys und Michael Balbus 827 an Ludwig den Frommen. Jetzt bildete sich eine neue Ansicht über den Verfasser dieser Schriften. In Frankreich verehrte man als Schutzheiligen (Gedächtnistag der 9. Okt.) D. von Paris, der im 3. Jahrh. —5 Geheiß des Papstes von Rom nach Paris gekommen und dort nach seiner Enthauptung mit dem Kopfe in der Hand bis zu dem nach ihm benannten St.⸗ Denys gegangen sein soll. Diesen identisizierte man jetzt mit jenem D. Areopagita und bezeichnete ihn als Verfasser jener mystischen Schriften. Schon 834 konnte sich Hilduin, Abt von St.⸗Denys, für diese Ansicht auf Passions⸗ und andere Akten berufen, und erst 1629 wies der Jesuit Jakob Sirmond zuerst nach, was jetzt niemand mehr bezweiselt, daß der Verfasser jener Schriften und der heil. D. von Paris unmöglich dieselbe Person sein könnten. Im Abendlande wurden die Areopagitischen Schriften zuerst bekannt durch die Übersetzung, welche Joh. Scotus Erigeng im Auftrage Karls des Kahlen anfertigte. Mittelalter wurden sie dann durch ausführliche Kommentare erläutert, 3. B. von Hugo von St.Victor, Albertus Magnus, Thomas Aquin, D. dem Kartäuser u. a. Die vollbin Aade Sammlung solcher Kommentare enthält ie Ausgabe von 1556 (Köln); die beste griech.Aat. Ausgabe des Textes besorgte der Reb. Corderius (Par. 1615, Antwerp. 1634, Vened. 1757), eine deutsche Übersetzung nebst Abhandlung gibt Engelhardt (2 Bde., Sulzbach 1823). . K. Vogt, (Neuplatonismus und Christentum» (Berl. 1836); „Dionysius Exiguns, d. i. der Kleine oder Geringe, wie er sich aus Bescheidenheit nannte, von Geburt ein Skythe, lebte um 530 n. Chr. als Abt in Rom und starb um 556. Nach ihm ist die Dionysische Zeitrechnung benannt, die Ara von Christi Geburtsjahr, nach welcher insbesondere seit dem 8. Jahrh. immer allgemeiner in der Christenheit gezählt und die Geburt Christi ans Ende 753 bvon Erbauung der Stadt Rom gesetzt wurde, jedenfalls mehrere Jahre zu spät, wie schon lange allgemein anerkannt ist. (S. unter Ara.) Schnellern Beifall als diese Zeitrechnung fand seine Berechnungsart des Osterfestes und die Sammlung der sog. apostolischen Kanones, Konzilienbeschlüsse und amtlichen Briefe röm. Bischöfe, die unter dem Namen der Dekretalen (s. d.) zu großem Ansehen gelangte. D. war nach Cassiodorus ein guter lat. Stilist und Kenner der griech. Sprache, aus der er vieles übersetzte.