FeedEduard I.
GeschichteBrockhaus 1882

Eduard I., König von England, 1272—1307, geb. 16. Juni 1239, der Sohn und Nachfolger Heinrichs II., war an Geist und Körper ein gewaltiger, in den Kämpfen seines Vaters mit den Baronen gestählter Mann. Nach Besiegung Simons von Montfort nahm er, von Gregor X. bewogen, an Ludwigs IX. Kreuzzug gegen Tunis teil und ging nach dem kläglichen Ende desselben 1271 auch noch nach Palästina; doch aus Mangel an Mitteln mußte er schon im nächsten Jahre nach Europa zurückkehren. Obwohl er unterwegs den Tod seines Vaters erfuhr, blieb er doch noch längere Zeit in Frankreich, wo er Philipp III. seiner franz. Besitzungen wegen huldigte, und kehrte erst 1274 nach England zurück. Hier unterwarf er sich in 10jährigen Kämpfen die Waliser und verlieh dann Wales seinem ältesten Sohne unter dem Namen eines Prinzen von Wales. Seit dieser Zeit führen die engl. Thronerben diesen Namen. Als 1290 der schott. Thron durch den Tod der Enkelin des Königs Alexander völlig verwaiste, wußte er sich von den Schotten die Anerkennung als Schiedsrichter unter den verschiedenen Bewerbern um die Krone zu verschaffen, unter welchen Johann Baliol und Robert Bruce die vornehmsten waren, und er entschied dann als Lehnsherr für den ersten. Als drei Jahre darauf die Streitigkeiten E.s mit Frankreich und mit den nochmals sich erhebenden Walisern Baliol zu dem Versuch Henrelden das engl. Joch abzuwerfen, nahm E. denselben 1295 anangen und sezte in Schottland einen Statthalter ein, ohne jedoch zu ruhigem Besitze des Landes zu gelangen. Zwar gelang es ihm, 1305 den kühnen Häuptling Wallace in Gefangenschaft zu bringen, wo er — hinrichten ließ, allein bald darauf erhob wieder Bruce gegen ihn die Fahne des Aufstands. C. starb 7. Juli 1307 auf einem Zuge gegen denselben zu Burgh bei Carlisle. Als Verbesserer der Rechtspflege erhielt er den Namen des engl. Justinian; dennoch war seine Regierung willkürlich. Er behielt zwar die große Neuerung Montforts bei, welcher zum Parlament auch Abgeordnete der Städte und Grafschaften berufen hatte; aber er versammelte dieses nur selten, wenn seine sonstigen gewaltthätigen Maßregeln, sich Geld zu verschaffen, nicht ausreichten und neue Steuern notwendig wurden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 764Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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