FeedEierstock
TierreichBrockhaus 1882

Eierstock (Ovarium) nennt man denjenigen Teil des pflanzlichen und tierischen Organismus, in welchem die zur Fortpflanzung der Art dienenden Eier sich entwickeln. Der Bau dieses Organs ist natürlich bei den verschiedenen Pflanzen- und Tierklassen ein außerordentlich mannigfacher und verschiedener. Bei den Pflanzen und bei manchen niedern Tieren verbleibt das Ei auch nach seiner Befruchtung im C. und wird in demselben mehr oder weniger weit entwickelt; so stellt z. B. der Apfel ein nach der Befruchtung weiter entwickeltes Ovarium dar, in welchem die befruchteten Eier als Samenkerne liegen. Bei den höhern Tieren dagegen verlassen die Eier entweder schon vor oder nach der Befruchtung den E. und durchlaufen die weitern Stadien ihrer Entwickelung entweder ganz außerhalb des mütterlichen Organismus oder in einem eigenartigen Organe des mütterlichen Körpers, der sog. Gebärmutter. Bei den Säugetieren und den Menschen sind die E. zwei eiförmige, drüsenähnliche, im kleinen Becken rechts und links von der Gebärmutter liegende, nur dem weiblichen Geschlecht eigene Organe, welche durch einen sehnigen Strang, das Eierstocksband, mit dem obern Teil der Gebärmutter verbunden und in eine nach der Seitenwand des kleinen Beckens zu verlaufende Falte des Bauchfells, in die sog. breiten Mutterbänder, eingehüllt sind. Beim geschlechtsreifen menschlichen Weibe besitzt jeder der beiden E. im gesunden Zustande Größe und Form einer etwas plattgedrückten Pflaume; ihre Farbe ist weiß oder rötlich-weiß, ihr Gewicht zusammengenommen 10 bis 15 g. Nußerlich ist jeder E. von einer derben, faserigen (fibrösen) und einer glatten (serösen) Haut überzogen; im Innern besteht sein Gewebe aus einem gefäßreichen, von organischen Muskelfasern durchsetzten Bindegewebe, in welchem sich zur Zeit der debis Aun zahlreiche größere und kleinere Gebilde bis zum Umfange einer Erbse oder kleinen Kirsche vorfinden, die mit einer klaren, wasserhellen Flüssigkeit erfüllt sind. Diese Bläschen heißen nach ihrem Entdecker, dem Anatomen Regner de Graaf die Graafschen Bläschen oder Follikel (Folliculi Graafiani) und stellen Eikapseln dar, innerhalb deren sich das eigentliche Ei (s. d.) bildet. Sie sind schon im E. des neugeborenen Mädchens vorhanden, jedoch noch sehr klein und unentwickelt; erst zur Zeit der Geschlechtsreife wachsen sie beträchtlich und treten immer mehr an die Oberfläche des C. hervor. Ihre Menge ist eine außerordentlich große; nach den Berechnungen von Henle und Waldeyer besitzt der menschliche E. in der ersten Zeit der Geschlechtsreife etwa 36000 Eier, sodaß aah beide C. 72000 Eier kommen; die große Mehrzahl derselben verfällt aber dem Verkümmern, und nur wenige reifen zu voller Ausbildung heran. Von Zeit zu Zeit löst sich ein solches Ei nach Durchbrechung seiner Hüllen aus seinem Bläschen los und tritt in die trichterförmigen Enden der Eileiter über, durch welche es in die Gebärmutterhöhle gelangt. Zur Erleichterung dieses Vorgangs ist der E. des zeugungsfähigen Weibchens periodisch (beim Menschen während der Menstruation, bei Tieren während der Brunst) einer heftigen Blutanhäufung ausgesetzt, welche nach Art einer Entzündung an der Stelle, wo ein reifes Ei liegt, die genannten Hüllen des E. erweicht und schmilzt, bis sie den Durchbruch des Eies gestatten. An der geplatzten Stelle bleibt der offene Graafsche Follikel, welcher durch Verfärbung des ergossenen Blutes ein gelbliches Aussehen annimmt und deshalb gelber Körper (Corpus luteum) heißt, zurück und heilt darauf nach Art einer vernarbenden Wunde. Gegen die Mitte oder das Ende der vierziger Jahre hört die Entwickelung der Graafschen Follikel und die Reifung von Eiern auf, womit die Menstruation und die Zeugungsfähigkeit des Weibes erlischt. Die E. sind häufig Erkrankungen ausgesetzt. Am häufigsten kommt die Entzündung des Eierstocks (Oophoritis) vor, welche sich gewöhnlich im Anschluß an eine Menstruation oder den Verlauf eines Wochenbettes entwickelt. Die während der Menstruation en Stelle eintretende Entzündung einer bestimmten Stelle des E., welche die Lösung und Abstoßung des reifen Eies vermittelt, pflanzt sich leicht auf die ganze Oberfläche des E. und weiterhin auf andere Teile des Bauchfells fort, mit welchem der seröse überzug der E. innig zusammenhängt. Daher entstehen während der Menstruation besonders leicht Unterleibs-(Bauchfell-) Entzündungen, und es ist während dieser Zeit Schonung und Vorsicht unbedingt nötig; besonders müssen diejenigen, welche an schmerzhafter Menstruation leiden, das Bett hüten und alle heftigen Bewegungen und Gemütsaufregungen meiden, bis der Schmerz vollständig vorüber ist. Bei Schonung und zweckmäßigem diätetischen Verhalten bildet sich diese Entzündung des E. in der Regel wieder zurück; bisweilen führt sie aber auch zur Vereiterung des E. und damit zu längerm Siechtum oder selbst tödlichem Ausgang; auch kann jede heftigere Entzündung des E. den Untergang der Graafschen Follikel und damit, wenn die Entzündung beide E. betraf, dauernde Unfruchtbarkeit des Weibes zur Fosge haben. Unter den chronischen Krankheiten des E. sind die mit Eierstockswassersucht (. d.W verbundenen Cystengeschwülste, sowie die sog. Dermoideysten am wichtigsten; die letztern bestehen aus einem häutigen, mit einer grützbreiähnlichen Masse angefüllten Sack, welcher bisweilen Haare, Talgdrüsen und zahnähnliche Gebilde umschließt (s. Balggeschwulst). Über die operative Entfernung der C. s. Castration und Ovariotomie. .

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 813Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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