FeedGelatinedynamit
NaturlehreBrockhaus 1882

Gelatinedynamit, auch Sprenggelatine, Sprenggummi, ein von Nobel entdecktes neues Sprengmittel, welches durch Lösen von 1 Teil Collodiumwolle in 9 Teilen Nitroglycerin bereitet wird. Dasselbe bildet eine Dupeh elastische, durchscheinende, blaßgelb gefärbte Masse von der Konrsistenz einer starken Sülze, läßt sich leicht biegen, mit dem Messer schneiden und läßt bei dem stärksten Druck kein Glycerin austreten. Durch einen Zusatz einer geringen Menge von Kampfer (4 Proz.) wird es gegen mechan. Effekte in hohem Grade unempfindlich. Beim Erhitzen verhält sich G. ähnlich dem gewöhnlichen Dynamit. Für sich explodiert G. beim raschen Erhitzen bei einer Temperatur von 240, mit Kampfer gemischt kann G. durch langsames Erhitzen gar nicht mehr zur Explosion gebracht werden. Wie gewöhnlicher Dynamit, so erfordert der G., um zu explodieren, eines sehr starken Initialimpulses, welcher durch eine besondere Zündpatrone gegeben werden und noch größer sein muß als bei gewöhnlichem Dynamit. Gegen Wasser ist er so unempfindlich, daß er unter Wasser bis zum Moment des Gebrauchs aufbewahrt werden kann. Von dem gewöhnlichen Dynamit hat G. außerdem noch den Vorzug, schwerer zu frieren und leichter wieder aufzuthauen; in Kisten verpackte Patronen bleiben bei Kältegraden von —12 bis 155 wochenlang weich. In seiner Kraft kommt der G. dem besten Dynamit gleich oder ist demselben sogar noch überlegen und soi vor diesem den Vorzug, bei der Explosion mehr chiebend als brisant zu wirken. Ein dem G. gleichkommendes Sprengmittel ist in neuester Zeit unter dem Namen Diaspongelatine patentiert worden. Es besteht aus 92—95 Teilen Nitroglycerin, 5—7 Teilen Collodiumwolle oder nitrierte Cellulose und 0,5—2 Teilen Alkohol.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 698Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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