Lollharden oder Lollarden ist der Name einer religiösen Genossenschaft, die sich um 1300 aus Anlaß einer Seuche zu Antwerpen zum Zweck der Krankenpflege und Leichenbestattung bildete. Ihre Mitglieder hießen wegen ihres mäßigen Lebens und ihres dürftigen Ansehens Matemans, nach ihrem Schutzheiligen Alexiusbrüder, weil sie in Zellen wohnten, Zelliten (kratres cellitae), und von dem niederdeutschen Worte Lollen oder Lullen (d. i. leise singen), L., weil sie bei Leichenbegängnissen einen traurigen, dumpfen Gesang hören ließen und auch bei einsamen Andachtsübungen viel sangen. Sie verbreiteten sich in den Niederlanden und in Deutschland. Von der Geistlichkeit und den Bettelmönchen verfolgt, verfielen die L. vielfach der Inquisition, bis ihnen Johann XXII. 1318 bedingte Duldung gewährte. Obgleich die L. ursprünglich nur einen Männerverein bildeten, so organisierten sich doch auch, namentlich in Köln, weibliche Genossenschaften, die gleichen Gesetzen folgten. Noch bis in das 18. Jahrh. ab es in den Niederlanden und in Köln fromme rüderschaften, die von den L. abstammten, aber von der ursprünglichen Bestimmung derselben ganz abgewichen waren. Wie in den Niederlanden und in Deutschland die Namen L. und Begharden durch die Anhänger des Kirchentums zu Spott- und Ketzernamen gestempelt worden waren, so wurde auch in England den Anhängern Wicliffes (s. d.), weil sie gegen die Päpste und die Geistlichkeit auftraten, der Name L. (Lollards) gegeben.