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ReligionBrockhaus 1882

Missalen (lat.) oder Meßbücher heißen in der röm.⸗kath. Kirche diejenigen liturgischen oder gottesdienstlichen Bücher, welche die von der Kirche geordneten Messen für alle Sonn- und Festtage, für besondere Gelegenheiten, z. B. für die Totenfeier, die evang. und epistolischen Perikopen, Gebete und den Meßkanon enthalten. Der röm. Bischof Gelasius (gest. 396) sammelte die Gebete, deren man sich vor seiner Zeit bei dem Meßopfer bediente und die man als aus der Zeit der Apostel stammend ansah, brachte sie in eine bestimmte Ord—⸗ nung und fügte ihnen neue Offizien solcher Heiligen, deren Kultus hinzugekommen war, bei. Diese Sammlung hatte den Namen „Sacramentarium Gelasiio. Gregor d. Gr. verbesserte diese Sammlung, entfernte einige Gebete und fügte neue hinzu. Das Tridentinische Konzil veranstaltete eine neue Revision, und eine weitere erfolgte dann noch zweimal, 1604 durch Clemens VIII. und 1634 durch Urban VIII. Neben diesem römischen M. bestehen, und zwar schon von früher Zeit an, M. für bestimmte Diöcesen und für einzelne religiöse Orden. So z. B. haben in Deutschland Mainz, Köln, Münster u. a. ihre eigenen Meßbücher. Die alten M. vor der Erfindung der Buchdruckerkunst wurden oft auf das prächtigste geschrieben, mit den schönsten Initialen und Miniaturen geschmückt und mit den kostbarsten Einbänden versehen. Ungefähr zwei Jahrhunderte vor Erfindung der Buchdruckerkunst entstand eine Art größerer got. Buchstaben Mönchsschrift), mit welchen man die M. schrieb; sie wurden, als die Buchstabenschrift erfunden war, nachgeschnitten und zum Druck von Meßbüchern gebraucht, weshalb eine gewisse Art größerer Typen den Namen Missalbuchstaben führt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 764Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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