Salzsäure oder Chlorwasserstoffsäure (Acidum muriaticum, Acidum hydrochloricum) HCl, entsteht durch direkte Vereinigung von 1 Volum Chlor und 1 Volum Wasserstoff unter lebhafter Explosion, sobald das Gasgemisch von einem Sonnenstrahl getroffen oder entzündet wird. In größtem Maße wird sie als Nebenyrodukt bei der fabrikmäßigen Bereitung von Glaubersalz (s. d.) gewonnen, wenn man Kochsalz mit konzentrierter Schwefelsäure destilliert und das sich entwickelnde salzsaure Gas in Wasser auffängt. Sie bildet im konzentriertesten Zustande eine rauchende, stechend riechende, farblose Flüssigkeit von 1,2 spezifischem Gewicht und sehr ätzenden Eigenschaften. Wasserfrei kann sie nur als Gas bestehen. Sie löst die meisten Metalle unter Entwickelung von Wasserstoffgas und Bildung von Chlormetallen auf. Mit Alkalien und Erden bildet sie salzsaure, krystallisierbare Salze, welche Chlormetalle genannt werden. In Vermischung mit Salpetersäure wird sie unter Bildung von Chlor zersetzt und die Mischung, Königswasser, löst daher Gold und Platin auf. Die S. wird als Auflösungsmittel in der Chemie und Pharmacie, als Ätzmittel u. s. w., auch in der Medizin angewendet. Sie dient ferner zur Fabrikation des Salmiaks, des Leims und des Phosphors, zur Auflösung verschiedener Metalle, wie Zinn und Zink, zur Darstellung der Kohlensäure, zur Entkalkung der Knochenkohle in den Rübenzuckerfabriken, in der Bleicherei und in sehr großer Menge in den Chlorkalkfabriken.