Saturnischer Vers wurde von den Römern der ungelenke Vers genannt, in dem die alten Wahrsageformeln, Sentenzen und Aufschriften abgefaßt waren. Er besteht aus zwei Gliedern und 3. B. malüm dabünt Metélli Naëviõ poëtae. In der These des 1., 2., 3., 5., 6. Fußes konnten auch zwei kurze Silben gebraucht werden. Zum Schema der metrischen Form gesellte sich oft das Spiel der Allitteration, z. B. donu danunt Hercolei maxsume mereto (Inschrift). Der Saturnische Vers war nicht nur die gewöhnliche (ob einzige, bleibt zweifelhaft) metrische Form der Römer in der Zeit, ehe sie mit der griech. Litteratur bekannt wurden, sondern war auch bei den oskisch-sabellischen Völkerschaften im Gebrauch. Man betrachtet den Saturnischen Vers teils als Fortentwickelung einer aus urindogerman. Zeit ererbten Versart, teils als eine originale Schöpfung der altitalischen Stämme, teils als Umbildung eines griech. Metrums; die letzte Ansicht ist die wahrscheinlichste. Vgl. Bartsch, Der Saturnische Vers und die altdeutsche Langzeiler (Lpz. 1867); Korsch, De versu Saturniop (Mosk. 1869); Havet, „De Saturnio Latinorum versus (Par. 1880); Thurneysen, Der Saturnier und sein Verhältnis zum spätern röm. Volksverser (Halle 1885).