FeedScheffel (Jos. Victor von)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Scheffel (Jos. Victor von), deutscher Dichter, geb. 16. Febr. 1826 zu Karlsruhe, wo sein Vater als bad. Major und Baurat lebte, besuchte bis zum J. 1843 das Lyceum seiner Vaterstadt, studierte 1843—47 in München, Heidelberg und Berlin die Rechtswissenschaften und german. Philologie und Litteratur, war 1848—52 Referendar und Dienstverweser zu Säckingen, gab aber dann den Staatsdienst auf, unternahm 1852—53 eine längere Reise nach Italien und lebte später teils in Heidelberg, teils in München. Auch war er eine Zeit lang Vorstand der Bibliothek des Fürsten von Fürstenberg in Donaueschingen, wo er sich insbesondere mit der Katalogisierung von Handschriften und Ordnung der vom Fürsten erworbenen von Laßbergschen Bibliothek beschäftigte. In den J. 1859 und 1860 hielt er sich in Thüringen auf unter dem Schutze des Großherzogs Alexander von Weimar. Seit 1866 lebte S. wieder teils in Karlsruhe, teils auf seinem Landgut Seehalde-Mettnau bei Radolfzell am Untersee ohne öffentliches Amt. Er starb 9. April 1886 in Karlsruhe. Sein erstes erfolgreiches größeres episches Gedicht: „Der Trompeter von Säkkingeno, entstand 1853 in Sorrent und auf der Insel Capri, wo S. in freundschaftlichem Zusammensein mit Paul Heyse lebte. Die Dichtung, welche 1886 in 136. Auflage erschien (illustriert von A. von Werner, 2. Aufl., Stuttg. 1879), enthält frische deutsche und ital. Genrebilder und Kabinettsstücke eines an Hoffmanns «Kater Murro anknüpfenden Humors. Der histor. Roman «Ekkehardo (Frankf. 1855; 86. Aufl., Stuttg. 1886; Illustrationen dazu von E. Kämpfer, Münch. 1884), sowie die Novelle Juniperus. Geschichte eines Kreuzfahrers » (Stuttg. 1866; illustriert von A. von Werner, 4. Aufl. 1883) gewähren ein treues Bild mittelalterlicher Zustände. Einen mehr an die altdeutschen Minnesänger erinnernden Ton hat die Gedichtsammlung «Frau Aventiure. Lieder aus Heinr. von Ofterdingens Zeite (Stuttg. 1864; 13. Aufl. 1883; illustriert von A. von Werner), während Gaudeamus, Lieder aus dem Engern und Weitern» (46. Aufl., Stuttg. 1886; illustriert von A. von Werner) durch einen kernigen Humor erfreut und echt volkstümliche Töne anschlägt. Weniger passen diese altertümlichen Initialen und Majuskeln der Poesie für schwunghafte Dichtungen, wie 4Bergpsalmen» (Stuttg. 1870; illustriert von A. von Werner, 4. Aufl. 1883; mit Holzschnitten, 3. Aufl. 1883). Eine neue Dichtung Waldeinsamkeito, 12 landschaftliche Stimmungsbilder nach Gemälden von Julius Marak, erschien 1877 zu Wien (4. Aufl., Stuttg. 1884); ferner Hugideo v (4. Aufl., Stuttg. 1885), «Das Waltarilied, verdeutschte (illustriert von Alb. Baur, Stuttg. 1875). S. ist ein origineller Dichter, nicht frei von Manier, aber von einem gesunden Sinne des Denkens und Empfindens. Im J. 1876 erhob ihn der Großherzog von Baden in den erblichen Adelsstand. Vgl. Klar, Joseph Victor von S. und seine Stellung in der deutschen Litteraturs (Prag 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 312Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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