FeedTzschirner (Heinr. Gottlieb)
ReligionBrockhaus 1882

Tzschirner (Heinr. Gottlieb), ausgezeichneter prot. Theolog und Kanzelredner, geb. 14. Nov. 1778 zu Mittweida in Sachsen, studierte in Leipzig Theologie, trat in Wittenberg als akademischer Docent auf und war dann einige Zeit Diakon in seiner Vaterstadt. Nachdem er eine „Geschichte der Apologetiks begonnen (Lpz. 1805), ward er als Professor der Theologie nach Wittenberg zurückgerufen und 1809 in gleicher Eigenschaft nach Leipzig versetzt. In diesen Jahren verfaßte er die interessanten Schriften: Aiber den moralischen Indifferentismuso und aliber die Verwandtschaft der Tugenden und Lastero. Hierauf erschien seine Fortsetzung der Schröckhschen Kirchengeschichte(? Bde., Lpz. 1810). Auch veranstaltete T. zwei Sammlungen seiner Auffehen erregenden Predigten und entwickelte in den „Briefen, veranlaßt durch Reinhards Geständnisse (Lpz. 1811) seine homiletischen Grundsätze. In letzterer Schrift, sowie in zwei Abhandlungen, mit welchen er die Herausgabe der „Memorabilien für Prediger» eröffnete (1819), bekannte sich T. zu einem offenbarungsgläubigen Rationalismus oder Lethisch-kritischen Systemo, welchem er auch später treu blieb. Im J. 1815 ward er Superintendent zu Leipzig. In dieser Stellung erlangte er ausgebreiteten Ruf, besonders durch seine freimütige Verteidigung des Protestantismus gegen die kath. Reaktion. Auch als akademischer Lehrer übte er großen Einfluß. Er starb 17. Febr. 1828. Später erschienen seine Opuscula academica (herausg. von Winzer, Lpz. 1829); Vorlesungen über die christl. Glaubenslehres (herausg. von Hase, Lpz. 1829): «Der Fall des Heidentums⸗(Bd. 1, herausg. von Niedner, Lpz. 1829), ein geistvoll angelegtes Werk; endlich Predigteno (herausg. von Goldhorn, 2. Aufl., 4 Bde., Lpö. 18209). U, im deutschen Alphabet der 21. im lateinischen der 20. Buchstabe, bezeichnet einen Vokal, den man wegen der zu seiner Bildung wesentlichen Lippenthätigkeit labial zu nennen pflegt (wie i palatal und a guttural), und der in dieser Eigenschaft dem v (d. h. u) sehr nahe verwandt ist. Dieser Vokal, obwohl in den meisten Sprachen ziemlich gleichlautend, ist doch oft sehr verschiedener Entstehung: im Deutschen entspricht er teils einem ursprünglichen indogerman. u, teils einer Ablautsstufe von 14e) oder o (a), vgl. z. B. aich bindes, aich band mit Bundo, ähnlich im Lateinischen; im Griechischen ist das u entstanden aus dem ursprünglichen Diphthongen au (eu, ou) oder aus der Zusammenziehung von oo, oe, z. B. nüs (5oos) noos, während ursprünglich u zu v ( ü) geworden ist, daher z. B. s (sus) ==lat. sus (Schwein); das griech. Alphabet hat kein einfaches Zeichen für den Vokal u, sondern schreibt oo, also diphthongisch; auf ähnliche Weise ist im Französischen das lat. u, obwohl noch so geschrieben, in der Aussprache zu u geworden, 3. B. pur (ipr. pür) =lateinisch purus (rein), während das franz. u, geschrieben ou, in älterer Zeit ein Diphthong, verschiedenen lat. Lautverbindungen entspricht, z. B. einem ol, ul in doux — duleis (süß; vgl. ital. dolce). Das slaw. u ist stets ursprünglich Diphthong au, z. B. pluti (schisfen) lautet litauisch plauti. Im lat. Alphabet wurde der Laut durch v in der Schrift bezeichnet (daher die Unterscheidung von v vocalis und v consonans), aus welchem sich erst später das Schriftzeichen u entwickelte. Im Mittelalter schrieb man vund u ohne Unterschied für den Konsonanten »v und den Vokal u, und erst im 16. Jahrh. wurde die letztere Form von den holländ. Philologen für den Vokal zum Unterschied von v sestgestellt. Als Abkürzung steht V. bei den Römern für Urbs (d. i. die Stadt, nämlich Rom) und insbesondere u. C. bei chronol. Angaben für urbis conditae, d. i. von Erbauung der Stadt (Roms) an gerechnet. Auf ältern franz. Münzen bezeichnet Uden Prägort Pau. In der Chemie ist U (gebräuchlicher jedoch Ur) das Zeichen oder Symbol für Uran. U als Präfir bezeichnet in südafrik. Sprachen Land, z. B. Usagara, das Land Sagara. VU., offizielle Abkürzung des Staates Utah. Ialan, Insel aus der Gruppe der Carolinenls.d.j. Uandala, s. Mändara. Uangan-Sche, chines. Sozialist des 11. Jahrh. unserer Zeitrechnung, den Kaiser Schen-tsung (1067 85) von der Dynastie Sung 11.(960 —1278, durch sophistische Veredsamkeit bestochen, zu seinem ersten und allmächtigen Minister beförderte. Als solcher brachte der jedenfalls hochbegabte Günstling den damals in bedenklicher Krise schwebenden Staat dem Untergang so nahe, daß nur der plöhliche Tod des schwachen Kaisers die ersehnte Rettung vorbereiten konnte. Diese Rettung verdankte das damalige China einer vernünftigen Thronfolgerin und einem lange zurückgesetzt gewesenen weisen und edeln Staatsmanne, Szy-ma-kuang. Die wegen tschhang) gerechneten Schriften des U. lassen auf ein mit dem heutigen Nihilismus unsers Abend⸗ „landes sich nahe berührendes System schließen. insel, eine der franz. Marquesasinseln in der „Suüdsee, 83 qkm groß mit 325 E., vultanischen Ursprungs, steigt bis zu 1100 m Höhe auf, hat seltsam geformte Bergesspitzen und üppige Vegetation. Uu. A. w. g. oder u. a. w. g., Abtürzung für Um Auntwort wird gebeten. (s. Huebald. Ubaldus, ein um die Musik verdienter Mönch, UÜbeda, Stadt (Ciudad) und Bezirkshauptort in der span. Provinz Jaen, in Andalnsien, zwischen dem Guadalquivir und dessen rechtsseitigem Nebensluß Guagdalimar, auf dem äußerst fruchtbaren Plateau Loma de Übeda, 600 m über dem Meere, ist Straßenknotenpunit, besitzt ein großes, noch teilweise erhaltenes Kastell mit mehr als 20 Mauertürmen, breite Strassen, geräumige Plätze, viele stattliche Gebäude castilianischer Bauhart, schöne gotische Kirchen und Klostergebäude, zählt (1877) 18 149 C. und hat Fabrikation von Leder und Seife, Wollweberei, Töpferei, Pferdezucht und Handel mit Getreide, Wein, Feigen und Ol. U. war unter dem Namen Abada in der Landschaft Albuscharat zur Zeit der Mauren eine blühende Stadt, wurde 12314 von den Castilianern erobert, gänzlich zerstört und erst später wieder aufgebaut. übelkeit, eine mit Ckel (s. d.) und Brechneigung verbundene unangenehme Empfindung in der Magengrube, ist eine Krankheitserscheinung, welche in der Regel von einer Affektion des Magens selbst oder seiner Nerven veranlaßt wird und gewöhnlich dem Erbrechen vorhergeht. Sie kann durch den Genuß der verschiedenartigsten, besonders schwerverdaulicher Stoffe, sogar durch den Anblick und die bloße Vorstellung ekelhafter Gegenstände hervorgerufen werden, begleitet die Magenkrankheiten und findet sich auch bei Hirnleiden, Schwangerschaft, Bruchschäden, Schwindel erregenden Bewegungen (Schaukeln, Seefahren), großen Blut: und Safteverlusten, langem Fasten, Würmern u. dgl. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. (S. u. Magenkatarrheund Magenkrankheiten.) überbein (ganglion), eine harte rundliche Geschwulst von größerm oder geringerm Umfange, welche aus einem häutigen, Flüssigkeit einschließenden Sacke (Schleimbeutel oder Sehnenscheide) besteht und sich meist am Hand, Fuß: oder Kniegelenk bildet. Gewöhnlich entsteht dieselbe infolge einer Quetschung der daselbst befindlichen Sehnen durch Druck, übermäßige Anstrengung, Dehnung oder Zerrung des Gelenks. Sie verursacht in der Regel teine Schmerzen und bleibt unverändert, wenn nicht ingünstige Umstände, wie öftere Reizung u. dal., ene Entzündung herbeiführen, die bösartige Geschwüre veranlassen kann. Man entfernt die U. durch anhaltenden gelinden Druck oder durch gewaltsames Zersprengen, indem man sie mit dem Daumen fest an den Knochen andrückt, oder durch Ausschneiden der ganzen Geschwulst mit dem Messer; Medikamente sind ohne allen Nutzen. überchlorsäure, s. unter Chlor (Verbindungen, 2 e). überfahren (im Bergbau), Lagerstätten durch Baue auffinden und dann durchschneiden, durch sie hindurchgehen; auch über die Grenze der Grubenselder hinweg abbauen, die Grenze beim Abbau

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 939Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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