Verfolgungswahn nennt man in der Psychiatrie ein Symptom verschiedener Geisteskrankheiten und Gehirnleiden, am häufigsten der akuten und chronischen Verrücktheit. Die Kranken sind ohne entsprechende äußere Veranlassung überzeugt, von einzelnen oder zahlreichen bekannten oder unbekannten Personen verfolgt, d. h. in allen möglichen Interessen (Ehre, Vermögen, Leben) beeinträchtigt zu werden. Meist gründet sich dieser Wahn auf Sinnestäuschungen, besonders Gehörshallucinationen. Die Kranken hören schmähende, drohende Zurufe, ohne daß in Wirklichkeit jemand solche ausspricht, oder sie sehen auch drohende Gestalten auf sich eindringen, riechen Gift u. dgl. m. Seltener entstehen Verfolgungsideen auf Grund eines schwer zu beschreibenden Sichunheimlichfühlens v, oder springen plötzlich ohne nachweisbare Ursache ins Bewußtsein (Primordialdelirien). Der V. ist in vielen Fällen heilbar, besonders wenn er rasch entstanden ist, wenn Vergiftung, z. B., was besonders häufig vorkommt, chronischer Alkoholmißbrauch zu Grunde liegt; selten, wenn er sich ganz allmählich und ohne nachweisbare Ursache entwickelt. Die Erkrankungsweise des Gehirns, welche bei an V. Leidenden gefunden wird, ist sehr verschieden; häuft lassen sich überhaupt Veränderungen nicht deutli nachweisen, andere male findet sich Entzündung u. dgl. m. Die Behandlung richtet sich nach den ursächlichen Momenten. Da an V. Leidende häufig sich selbst daus Furcht vor den Verfolgern) und andern gefährlich sind (sie gehören zu den gefährlichsten Geisteskranken), so müssen sie meist baldigst in einer Irrenanstalt untergebracht werden.