Vezier (franz. und engl. Schreibart für Wesir), eigentlich Träger, ist ein Titel, den im mohammed. Orient verschiedene hohe Staatsbeamte, besonders die ersten Minister als Träger der Regierungslast führen. Früher wurden namentlich sechs angesehene Mitglieder des Diwans oder Staatsrats damit ausgezeichnet, welche unter dem Präsidium des Großveziers gleichsam ein Ausschußkollegium in jener Körperschaft bildeten, doch aber nur beratende Stimme besaßen. Jetzt ist der Name V. aus der Sprache des gewöhnlichen Lebens so ziemlich verdrängt und an seine Stelle Muschir (Rat) getreten, womit allgemein die Paschas von drei Roßschweifen belegt werden. Der vornehmste V. ist der Großvezier, welcher früher sowohl im Kriege wie auch im Frieden den jeder unmittelbaren Berührung mit seinen Unterthanen sich entziehenden Sultan fur die Regierungsangelegenheiten vollständig vertrat, jetzt aber nur noch in der Weise eines Ministerpräsidenten der Regierung vorsteht. Derselbe wird in der Türkei gewöhnlich mit dem der Kanzleisprache entlehnten figürlichen Ausdrucke Sädr-a'zam, Ehrensitz (im Diwan), bezeichnet. Wegen seiner besonders nahen amtlichen Beziehungen zum Großvezier führt der Minister des Innern, welcher früher einfach Kjaja-Bej (Saushofmeister) genannt wurde, in neuerer Zeit den Titel Musteschar (Rat) des Großveziers.