FeedVives (Joh. Ludov.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Vives (Joh. Ludov.), span. Humanist und Antischolastiker, 1492 zu Valencia aus einem alten Adelsgeschlecht geboren, studierte an der Akademie seiner Heimatstadt und sodann in Paris, nahm jedoch später seinen Aufenthalt in den Niederlanden. In Löwen trat er in freundschaftlichen Verkehr mit Erasmus; hauptsächlich ließ er sich in Brügge nieder, wo er auch 1540 starb. Reisen in seine Heimat und nach England, wo er am Hofe glänzend empfangen wurde, unterbrachen sein den Wissenschaften gewidmetes Leben. Nachdem er anfänglich Werke zur Verherrlichung des Christentums geschrieben hatte, wie die Allegorie Christi triumphuso und ihre Fortsetzung Ovatio virginis dei parentiso, und sich in einem Kommentar zu Augustins Civitas deis als Platoniker gezeigt hatte, trat in der Folge mehr und mehr sein Gegensatz zu der scholastischen formalen Sterilität hervor, so schon in seiner Flugschrift „In pseudodialecticoso (1519), worin er dem Ramus vorarbeitete. Seine spätern Schriften betonen überall die Erfahrung gegenüber der Spekulation und haben ihrer Zeit auf den verschiedensten Gebieten anregend und zum Teil bahnbrechend gewirkt. Sein Hauptwerk De discipliniso (Brügge 1531) ist eine kritisch encyklopädische übersicht über alle Wissenszweige; der erste Teil negativ: De causis corruptarum artiumo, der zweite positiv: &De tradendis discipliniso. Als dritter Teil schlossen sich einige Spezialschriften u. s. w. an. Für die Pädagogik interessant ist seine Schrift De institutione feminae christianaer, so- wie seine unter dem Titel «Satellitium animio (1524) der Prinzessin Maria von Brügge gewidmete Sammlung von Denksprüchen. Auch der Dialog „Sapienso (Löwen 1522) ist bemerkenswert. Der empirischen Physiologie endlich hat V. in bedeutender Weise neue Grundlagen zu geben versucht in seiner letzten größern Schrift De anima et vitay (1838). Die Werke von V. wurden zuerst in zwei Bänden (Basel 1555) gesammelt; die Hauptausgabe ist die von Don Gregor Majans in 8 Bänden (Valencia 1782—90) besorgte, deren erster Band eine ausführliche Biographie V. von dem Herauseber enthält. Lange vergessen, ist V. in neuerer Zeit durch A. Lange ans Tageslicht gezogen, aber zugleich auch wohl einigermaßen überschätzt worden; vgl. dessen Art. Vivesy in Schmidts «Encyklopädie des gesamten Erziehungs- und Unterrichtswesenso (Bd. 9, S. 737 fg.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 299Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6