FeedWachenhusen (Hans)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Wachenhusen (Hans), beliebter Feuilletonist und Romanschriftsteller, geb. zu Trier 31. Dez. 1827, widmete sich dem Studium der modernen Sprachen und der Litteratur und trat schon früh größere Reisen an, zunächst nach Schweden, Norwegen, Finland, Lappland und Island. Seine wesentlichste Thätigkeit war dann die eines Kriegskorrespondenten. So fungierte er während des Orientkriegs im türk. Hauptquartier als Korrespondent für mehrere deutsche Zeitungen. Diese Berichte sammelte er unter dem Titel „Von Widdin nach Stambul» (Lpz. 1855) und 4Ein Besuch im türk. Lager » (Lpz. 1855). Nach Beendigung des Krimkriegs lebte er einige Zeit in Paris, dessen soziales Leben er in den Schriften „Das neue Pariso (Lpz. 1855) und «Die Frauen des Kaiserreichso (I. Aufl., Berl. 1872) beschrieb. Eine Reise nach Spanien und von hier nach Afrika veranlaßte die interessanten «„Reisebilder aus Spanieno (2 Bde., Berl. 1857) und den Roman «„Rom und Sahara (4. Aufl., Berl. 1871). Während des preuß.⸗neuenburgischen Konflikts war er in der Schweiz und verfaßte daselbst das Skizzenbuch aus Neuenburg und der Schweizo (Berl. 1857). Die Kriegsberichte über den österr.⸗ital. Krieg von 1859 sind zusammengefaßt in dem Tagebuch vom ital. Kriegsschauplatzo (Berl. 1859) und «„Halbmond und Doppeladler⸗ (Berl. 1860). Hierauf nahm er an Garibaldis Zug gegen Neapel teil und schrieb darüber: «Freischaren und Royalistenv (3. Aufl., Berl. 1867). Der poln. Revolution unter Langiewicz 1863 wohnte W. ebenfalls bei. Diesen Stoff bearbeitete er in dem Roman «Unter dem weißen Adler (3 Bde., Berl. 1863; 2. Aufl. 1885). Seine Kriegsberichte über den schlesw.⸗holstein. und Deutschen Krieg von 1866, an dem er im preuß. Hauptquartier teilnahm, beschrieb er in Vor den Düppeler Schanzeno (Berl. 1864) und (Tagebuch vom österr. Kriegsschauplatzo (6. Aufl., Berl. 1866). Später ging er wieder nach Italien, Griechenland und Asien, kehrte von da nach Paris zurück, um dort zwei Jahre zu verleben, und schilderte die Weltausstellung von 1867 in „Pariser Photographieno (Berl. 1868), ging dann wiederholt nach Afrika, wo er sich an den franz. Streifzügen gegen die marokkanischen und andere Stämme beteiligte, darauf 1869 bei Eröffnung des Suezkanals nach Agypten, durchstreifte letzteres längere Zeit und gab danach eine Schilderung des Landes in dem Buche Vom armen ägypt. Mann⸗ (2 Bde., Berl. 1871). Dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870 und 1871 wohnte er als Korrespondent der «Kölnischen Zeitunge bei; diese Berichte sammelte er in seinem Tagebuch vom franz. Kriegsschauplatz 1870—715 (2 Bde., Berl. 1871). Später hielt er sich teils zu Paris, teils zu Berlin auf und nahm dann dauernden Wohnsitz in Wiesbaden. W. hat endlich zahlreiche Romane verfaßt, welche meist das moderne Gesellschaftsleben schildern.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 355Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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