FeedWurmser
GeschichteBrockhaus 1882

Wurmser (Dagobert Sigmund, Graf von), österr. Generalfeldmarschall, geb. zu Straßburg i. C. 7. Mai 1724, trat 1741 in franz. Kriegsdienste, war 1742 beim Korps des Grafen Belleisle in Böhmen, machte den Siebenjährigen Krieg mit und trat 1762 als Oberst in österr. Dienste über. Im folgenden Jahre wurde er Generalfeldwachtmeister, 1773 Chef eines Husarenregiments und einige Jahre später Feldmarschalllieutenant. Im Bayrischen Erbfolgekriege gelang ihm 18. Jan. 1779 ein überfall auf Habelschwerdt, wobei er viele Gefangene machte. Nach dem Frieden wurde er zum kommandierenden General in Galizien und 1787 um General der Kavallerie ernannt. 00 der Weanen Revolution verlor seine Familie ihre esitzungen im Elsaß. Beim Ausbruche des Kriegs gegen Frankreich erhielt er ein Armeekorps im Breisgau. Er überschritt mit demselben 31. März 1793 zwischen Mannheim und Speier den Rhein und vereinigte sich bei Speier mit dem Condeschen Korps, siegte bei Rohrbach (29. Juni), Germersheim (5. Juli) und Eßlingen (27. Juli) und eroberte in Verbindung mit dem Herzog von Braunschweig die Weißenburger Linien, mußte In im Dezember über den Rhein zurückgehen. Im Jan. 1794 wurde er abgerufen, übernahm indes Aug. 1795 abermals den Oberbefehl am Rhein, schlug die Franzosen 23. und 29. Okt. bei Mannheim und nahm das verschanzte Lager bei dieser Festung, so- wie 22. Nov. diese felbst ein. Darauf trat 12. Dez. der Waffenstillstand ein. Infolge der Fortschritte Bonapartes in Italien wurde W. als Feldmarschall mit 15 000 Mann Verstärkung dorthin geschickt, und an Beaulieus Stelle erhielt er Juni 1796 auch den Oberbefehl der bis Tirol zurückgewichenen österr. Armee. Nachdem er 1. Juli 1796 im Hauptquartier zu Trient eingetroffen, rückte er alsbald zum Entsatz von Mantua vor, das von Bonaparte belagert wurde. Dieser hob zwar die Belagerung Mantuas auf, benutzte aber W.s Fehler, der seine Armee in zwei durch den Gardasee getrennte Kolonnen geteilt hatte, und fiel mit ganzer Macht zuerst auf den von Brescia heranrückenden Quosdanowich, den er nach Tirol zurücktrieb, dann schlug er W. selbst bei Castiglione 5. Aug., sodaß dieser ebenfalls nach Tirol abziehen mußte. Bei einem zweiten Entsatzversuche, durch das Brentathal, kam Bonaparte, der in Tirol eingedrungen war, von dort her W. in den Rücken, schlug ihn bei Roveredo 4. Sept. und bei Bassano 8. Sept., sodaß W., der 13. Sept. vor Mantua angekommen, von den Franzosen gedrängt, sich in die Festung werfen mußte, welche nun aufs neue blockiert wurde. Zwar machte er verschiedene glückliche Ausfälle, aber die Niederlage Alvinczys bei Arcole 15. Nov. und bei Rivoli 14. Jan. 1797, sowie das unglückliche Gefecht bei der Favorite unweit Mantua 16. Jan. verschlimmerte seine Lage derart, daß W. 2. Febr. Mantua nach neunmonatlicher Verteidigung übergab. W. begab sich nach Wien und starb daselbst 27. Aug. 1797. Vgl. Vivenot, Thugut, Clerfayt und W.v (Wien 1869).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 773Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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