FeedKarl (Ludw. Joh.)
GeschichteBrockhaus 1882

Karl (Ludw. Joh.), Erzherzog von Esterreich, Herzog von Teschen, kaiserl. Generalfeldmarschall, dritter Sohn des Großherzogs von Toscana und spätern Kaisers Leopold II. und Maria Ludovicas, der Tochter König Karls III. von Spanien, wurde 5. Sept. 1771 zu Florenz geboren, kam 1790 nach Wien und ging 1791 nach den Niederlanden. Er nahm an der Schlacht bei Jemappes teil, trug als Befehlshaber der Vorhut des Prinzen Josias von Coburg viel zu den Siegen bei Aldenhoven und Neerwinden bei und wurde nach der Wiedereroberung Belgiens 25. März 1793 Generalstatthalter der Niederlande. Im J. 1794 führte er bei Landrecy eine Division, bei Tournay und Courtray den ganzen linken Flügel und bei Fleurus das Centrum. Nachdem er 1796 als Reichsfeldmarschall den Oberbefehl des österr. Heers am Rhein und der Reichsarmee übernommen, focht er gegen Moreau bei Rastatt mit Glück, schlug Jourdan bei Teining, Amberg und Würzburg, zwang die Franzosen, über den Rhein zu flüchten und krönte diesen siegreichen Feldzug durch die Einnahme von Kehl mitten im Winter 1797. Zu spät wurde er aber dem siegreich aus Italien vordringenden Bonaparte entgegengesandt; er vermochte nur die Friedenspräliminarien zu Leoben, 18. April 1797, abzuschließen. Nach dem fruchtlosen Kongreß zu Rastatt trat K. 1799 abermals an die Spitze der Rheinarmee, schlug wiederum Jourdan in den Gefechten bei Ostrach, Pfullendorf und besonders in der Schlacht von Stockach 25. März, wurde aber durch Mißhelligkeiten mit den russ. Generalen Suworow und iKorsakow in seinen weitern Unternehmungen gehemmt und mußte infolge des Siegs von Masseéna über Korsakow bei Zürich sich auf die Deckung Schwabens beschränken. Dennoch gelang es ihm, „einzelne franz. Kolonnen, welche auf das rechte „Rheinufer übersetzten, zurückzuwerfen und Massena 1überall mit Glück die Spitze zu bieten. Seine erschütterte Gesundheit nötigte ihn hierauf im März 1800 das Feld zu verlassen. Er wurde zum Gene9ralgouverneur von Böhmen ernannt und benutzte rmißt, sind unter C aufzusuchen. 134 Karl (Friedr. Alex., Prinz von Pre diese Stellung, um hier ein neues Heer zu bilden. Doch schon im Dezember desselben Jahres, nach der unglücklichen Schlacht bei Hohenlinden, mußte er von neuem den Oberbefehl übernehmen. Zwar gelang es ihm, das Vordringen Moreaus für den Augenblick zu hemmen; allein bereits 25. Dez. war er genötigt, den Waffenstillstand zu Steyr einzugehen, dem 9. Febr. 1801 der Friede zu Lunéville folgte. K. wurde nun zum Hofkriegsratspräsidenten, dann zum Koadjutor des Deutschmeisters und 1805 zum Kriegsminister ernannt. In dem neu ausgebrochenen Kriege mit Frankreich von 1805 befehligte er ein österr. Heer in Italien gegen Massena, mit welchem er besonders bei Caldiero 30. Okt. einen hartnäckigen Kampf bestand. Auf die Nachricht von dem Unglück der Esterreicher in Deutschland trat er in der Nacht vom 1. zum 2. Nov. seinen meisterhaften Rückzug vom linken Etschufer nach Kroatien an, um die noch nicht verlorenen Provinzen zu schützen. Nach dem Preßburger Frieden wurde er Generalissimus der gesamten österr. Armee und Kriegsminister mit unumschränkter Vollmacht. Als solcher begann er die Reorganisation des Heeres und errichtete Reserven und eine Landwehr. Er gründete das Kriegsarchiv und die Kriegsbibliothek, das Equitationsinstitut und schaffte den Verkauf der Offiziersstellen ab. In dem Kriege von 1809 rückte er im April mit der österr. Hauptmacht in Bayern ein und bis Regensburg vor. Aber die Kämpfe an der Donau waren nicht glücklich, und die Gefechte bei Abensberg, Eckmühl u. f. w. nötigten nach großen Verlusten die Osterreicher zum Rückzug. Durch neue Truppen verstärkt, trat hierauf K. den Franzosen, welche Wien besetzt hatten und von der Insel Lobau die Donau überschritten, im Marchfelde entgegen und gewann den glorreichen Sieg bei Aspern und Eßling (s. d.) über Napoleon. Aber K. benutzte den Sieg nicht zu einer entscheidenden Unternehmung. Napoleon gewann Zeit, seinen Verlust zu ergänzen, und erneuerte 5. und 6. Juli den Kampf gegen den Erzherzog bei Wagram (s. d.). Trotz des anfänglichen Siegs des rechten Flügels der Osterreicher wurde ihr Centrum festgehalten und der linke Flügel umgangen, wodurch Napoleon den Sieg errang. Der Rückzug des Erzherzogs geschah in vollkommener Ordnung unter beständigen Gefechten bis nach Znaim, wo 12. Juli der Kampf durch den Waffenstillstand unterbrochen wurde. Bald darauf zog sich K. ganz vom Staatsdienst zurück und lebte anfangs zu Teschen, später in Wien. An dem Befreiungskampfe von 1813 und 1814 nahm er nicht teil. Nur nach Napoleons Rückkehr von Elba war er eine Zeit lang Gouverneur von Mainz. Er starb 30. April 1847. K. hatte sich 1815 mit der Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg (gest. 1829) vermählt, aus welcher Ehe vier Söhne hervorgingen: Albrecht (. d.), österr. Feldmarschall, 1866 Oberbefehlshaber der Armee gegen Italien; Karl Ferdinand, geb. 29. Juli 1818, Feldmarschalllieutenant, gest. 20. Nov. 1874; Friedrich, geb. 14. Mai 1821, der sich als Kontreadmiral im syr. Feldzuge von 1840 rühmlichst hervorthat und 5. Okt. 1847 zu Venedig starb; Wilhelm, geb. 21. April 18²7,a Feldmarschalllieutenant und Generalinspektor der Artillerie. Außerdem gingen aus dieser Ehe zwei Töchter hervor: Therese, geb. 1816, gest. 1867 als Witwe des Königs Ferdinand II. von Neapel, und Marie Karoline, geb. 1825, seit 1852 mit 9dem Erzherzog Rainer Ferdinand vermählt. In e der Militärlitteratur hat sich der Erzherzog einen rNamen erworben durch seine Grundsätze der Strategie, erläutert durch die Darstellung des Feldzugs r von 1796 in Deutschland» (3 Bde., Wien 18141 „und „Geschichte des Feldzugs von 1799 in Deutsche land und der Schweize (2 Bde., Wien 1819). Eine „Sammlung seiner militärischen Werke erschien in Wien (1862), eine Auswahl gab Freiherr von Waldstätten (Berl. 1882) heraus. Im J. 1800 wurde in Wien ein Reiterstandbild K.s (von Fern⸗ „korn) enthüllt. .. Vgl. Duller, «Erzherzog K. von Ssterreich« „(Wien 1844—47): Schneidawind, Das Buch vom „Erzherzog K.y (5. Aufl., Lpz. 1860).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 133Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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