Pfeffer ist die Petersilie der Tropen, das gemeinste und unentbehrlichste Gewürz der heißen Länder und seit Jahrhunderten auch der gemäßigten Zone. Man unterscheidet zwei Arten, schwarzen und weißen, die aber beide von einer und derselben Pflanze stammen, dem etwa fingerstarken, rebenartig kletternden Schwarzpfefferstrauch Ostindiens, der namentlich auf der Malabarküste, Ceylon und den Sundainseln, weniger in Westindien, gleich unserm Hopfen an Stangen gezogen wird, und dessen annähernd erbsengroße, unreif grün, dann gelb und endlich gelbroth gefärbten und zu 20—30 Stück in kleinen Kolben beisammenstehenden Beerenfrüchte den Pfeffer geben. Zur Gewinnung des schwarzen Pfeffers werden die Beeren vor der Reife abgepflückt und schnell an der Sonne oder am Feuer getrocknet, wobei sie runzlig und schwarz werden. Der schwarze Pfeffer zeichnet sich durch größern Gehalt an flüchtigen Oel vor dem weißen aus, schmeckt daher schärfer und wird in der Küche am meisten verwendet. Den weißen Pfeffer liefern die völlig reifen Beeren, die in Wasser gequellt, dann gedörrt und endlich durch einfaches Reiben zwischen den Händen von ihrer rothen Schale befreit werden. Er schmeckt um eine Nuanee rein würzhafter, d. h. minder beißend als der schwarze und gilt daher mit Grund für aristokratischer, obgleich es im 19. Jahrhundert nicht mehr zu den Geboten der Höflichkeit gehört, bei Anwesenheit eines vornehmen Gastes die Pfefferbüchse nur mit gestoßenem weißen Pfeffer zu füllen. Die diätetische Wirkung beider Arten ist die nämliche: sie wecken den Appetit, fördern die Verdauung und beschleunigen dadurch die Ausscheidungen, sind daher auch als Hausmittel bei kleinen Verdauungsnöthen ganz am Platze. Leicht und wenig raumsperrend wurde der Pfeffer, nachdem ihn das Abendland zuerst durch Alexanders Zug nach Indien (326 v. Chr.) näher kennen gelernt (bis dahin hatten die Griechen ausschließlich die Körner des sogenannten Mohrenpfeffers aus Aethiopien und von der Pfefferküste als péperi bezeichnet), bald zu einem Handelsartikel, der schon zu Karls des Großen Zeit auch den Weg nach Deutschland fand, und dessen Bedeutung seitdem mit jedem Jahrhundert gestiegen ist. Oesterreich verbraucht gegenwärtig im Durchschnitt nahe an 1½ Millionen, Deutschland mehr als 4 Millionen Kilogramm weißen und schwarzen Pfeffer jährlich.