FeedSauerampfer
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Sauerampfer nennt der Hochdeutsche ganz ohne Noth — denn das nordische amper bedeutet schon an sich sauer scharf oder herbe — einen einheimischen Vetter des exotischen Rhabarbers, der, in etwa 20 Arten über ganz Europa verbreitet, in Frankreich bereits um 1550 und in Deutschland um 1565 im Garten eultivirt wurde. Gegenwärtig zieht man hauptsächlich drei Arten für die Küche: den großen Ampfer, der allenthalben in Europa auf Wiesen und Reinen wild vorkommt, den französischen oder Schildplattampfer, der zu Ende des 17. Jahrhunderts in die deutschen Gärten gelangte, und den sogenannten englischen Spinat, eine englische Erfindung des 19. Jahrhunderts, die aber dem alten Plinius schon als „Gartenampfer“ bekannt gewesen und nur eine Culturform des in Südeuropa und Niederösterreich häufigen krausblättrigen Ampfers zu sein scheint. Der Auipfer zeichnet sich in allen Lebenslagen durch einen Gehalt an saurem oxalsaurem Kalium aus, die jungen Blätter werden daher vielfach als Salatwürze benutzt, hauptsächlich aber wie Spinat zu Gemüse verwendet und bilden in dieser Gestalt, mit gekochten Eiern garnirt, eine recht verehrliche, gesunde und nahrhafte Schüssel der Frühlingstafel. Für ganz besonders delicat und schmackhaft aber gilt Ampfergemüse mit in Salzwasser gesottenen Hopfenkeimen als Beigabe zu Backfisch oder Coteletten. Die Sauerampfer-Sauee ist in der bürgerlichen Wiener Küche sehr gerne gesehen. S. auch Alse.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 481Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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