FeedSchilling (Johs.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Schilling (Johs.), deutscher Bildhauer, geb. zu Mittweida in Sachsen 23. Juni 1828, besuchte seit 1842 die Kunstakademie in Dresden und wurde 1845 in das Atelier Rietschels aufgenommen, unter dessen Leitung er volle fünf Jahre blieb. Die nächsten zwei be brachte S. in Berlin zu, wo er ein halbes Jahr bei Drake, dann selbständig arbeitete. Anfang 1853 nach Dresden zurückgekehrt, fand er zunächst in Hähnels Atelier Beschäftigung, vollendete daselbst aber auch eine eigene Arbeit, auf welche ihm ein Reisestipendium erteilt wurde. S. hielt sich nun bis Ostern 1856 in Rom auf und ließ sich dann dauernd in Dresden nieder, wo aus seinem Atelier mehrere vorzügliche Werke in die Offentlichkeit traten, während sich zugleich zahlreiche Schüler um ihn scharten. Seit 1868 wurde er zum Mitglied des Akademischen Rats und zugleich zum Professor der Bildhauerkunst an der königl. Kunstakademie ernannt. Bereits im J. 1852 war in Berlin eine Gruppe aus Gips ausgestellt: Amor und Psyche, für Bronzeguß bestimmt, welche Zeugnis von außerordentlichem Talent gab. Sein idealer Schönheitssinn, der zu malerischer Behandlung der plastischen Motive neigt, offenbarte sich zuerst in großem Maßstabe an den (in Sandstein ausgeführten, 1861 bestellten und 1872 vollendeten) Gruppen der vier Tageszeiten für die Treppe der Brühlschen Terrasse in Dresden. Neben zahlreichen anmutvollen Reliefs und Porträts entstanden in schneller Folge eine Anzahl Monumentalwerke, welche 1873—48 ausgeführt worden sind: das Schiller-Denkmal für Wien und das Denkmal des Erzherzogs Ferdinand Max (Kaisers von Mexiko) für Triest, sowie das Rietschel-Denkmal für Dresden und das Kriegerdenkmal für Hamburg. Bei der plastischen Aus schmückung des neuen dresdener Hoftheaters betei ligte sich S. durch Ausführung der Bronzegruppe Bacchus und Ariadne auf dem Panthergespann die den Vorbau krönt. Das 1883 enthüllte Natio naldenkmal auf dem Niederwald (s. d. nebst Tafel Niederwalddenkmal) bei Rüdesheim ist vor S. erfunden und modelliert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 359Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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