Karl II. (Ludwig Ferdinand Karl von Bourbon, Infant von Spanien), geb. 22. Dez. 1799, Conversations-Lexikon. 13. Aufl. X. erst Fürst von Lucca, dann Herzog von Parma, war der Sohn des Königs Ludwig von Etrurien ( d.) und der Infantin Marie Luise, der Tochter Karls IV. von Spanien, und folgte nach dem Tode seines Vaters, 27. Mai 1803, diesem in der Regierung unter Vormundschaft der Mutter. Doch mußte Etrurien 10. Dez. 1807 an Frankreich abgetreten werden: Lucca aber war inzwischen 1805 an Napoleons Schwester Elise, die mit dem Fürsten Bacciocchi vermählt war, übertragen worden. Nachdem durch den Pariser Frieden und den Kongreß zu Wien Napoleons Gemahlin, Marie Luise, die halten hatte Parma, Piacenza und Guastalla eralten hatte, wurde der ehemaligen Königin von Etrurien und ihren Kindern das Herzogtum Lucca bis dahin überlassen, wo sie nach dem Tode der Kaiserin zum Besitz von Parma gelangen würden, worauf Lucca an Toscana fallen sollte. Nach erlangter Volljährigkeit übernahm nun K. II. 1819 die Regierung aus den Händen seiner Mutter, welche 13. März 1824 starb, und vermählte sich 1820 mit der Tochter des Königs Victor Emanuel I. von Sardinien, Marie Therese (geb. 19. Sept. 1803, gest. 15. Juli 1879 auf Schloß San-Martino bei Lucca). K. trat bei der polit. Erregung Italiens Lucca schon 5. Okt. 1847 an Toscana ab, folgte aber dann der am 18. Dez. 1847 gestorbenen Witwe Napoleons I., den Verträgen gemäß, als Herzog von Parma, Piacenza und Guastalla. Infolge der weitern Ereignisse verließ er, nach Einsetzung einer Regentschaft, 9. April 1848 Parma und legte von Weißtropp in Sachsen aus 14. März 1849 die Regierung zu Gunsten seines einzigen Sohnes, Ferdinand Karl, nieder. K. starb 17. April 1883 in Nizza. Sein Sohn Ferdinand Karl III. (Joseph Maria Vittoria Balthasar von Bourbon, Infant von Spanien), geb. 14. Jan. 1823, trat durch Manifest von London aus die Regierung an und kehrte im Aug. 1849 nach Parma zurück. Als Regent und als Mensch offenbarte er die schlimmsten Eigenschaften. Er verschleuderte die Staatsdomänen an den Engländer Ward, den Günstling seines Vaters, und legte dem Lande willkürlich Zwangsanleihen auf. Zu seinen Helfershelfern gehörte namentlich auch der später ermordete Oberst Anviti. Nachdem man den Herzog wiederholt gewarnt, erhielt Ferdinand Karl 26. März 1854 am hellen Tage in einer Straße seiner Residenz einen Dolchstoß in die Brust, an dem er am folgenden Tage starb. Die Untersuchung blieb ohne Erfolg; der Thäter war ein von dem Herzog beschimpfter Sattlermeister. K. III. war seit 1847 vermählt mit Luise Maria Theresia von Bourbon (geb. 21. Sept. 1819), Tochter des 1820 ermordeten Herzogs von Berri und Schwester des Grafen Chambord. Die durch geistigen Adel ausgezeichnete Frau ergriff für ihren ältesten Sohn Robert I. (geb. 9. Juli 1848) die Regierung, sah sich jedoch in ihren guten Absichten nicht nur von der nationalen Partei, sondern mehr noch von Ssterreich gehindert und mußte, obwohl sie Parma (f. d.) für neutral erklärt, nach der Schlacht von Magenta 9. Juli 1859 das Land für immer verlassen. Die Herzogin zog sich in die Schweiz zurück, wo sie die Sommer auf dem Schlosse Wartegg, unweit der Mündung des Rheins in den Bodensee, zubruchte. Sie starb 1. Febr. 1864 zu Venedig. Außer ihrem ältern Sohne hinterließ sie aus ihrer Ehe noch einen jüngern, Prinz Heinrich Karl (geb. 12. Febr. 1851), Graf von 130 Karl Ludwig (Kurfürst von der Pfalz) Bardi, welcher nebst seinem Bruder Robert das große Vermögen des 1883 verstorbenen Grafen Chambord, ihres Oheims, nach dem Tode der Gräfin Chambord erhalten sollte, und zwei Töchter, Prinzessin Margareta, geb. 1. Jan. 1847, und Prinzessin Alix, geb. 27. Dez. 1849. 2