Salat, wörtlich „Gesalzenes“ (vom mittellateinischen salare, salzen), ist im Wesentlichen ein Mischgericht aus rohen oder gesottenen Pflanzentheilen, Essig, Oel und Salz, dessen Erfindung wahrscheinlich bis in die ältesten Culturschichten und dessen Hoffähigkeit sicher bis in's 7. Jahrhundert v. Chr. zurückreicht, da nach dem Zeugniß Daniels des Propheten schon der große Nebukadnezar von Babylon (604 - 561 v. Chr.) „Gras aß wie ein Ochse“, d. h. sich jenes Würzgericht aus frischen Nesselsprossen munden ließ, das noch heute am Euphrat unter dem Namen Salata bekannt und beliebt ist. Die Römer nannten eine solche kalte Schüssel Salgama, die spätern Italiener aber Insalata oder Salata, und unter diesem Namen, der sich allmälig zu Salade abschliff, ging das Gericht an die Franzosen über, die es seit dem 16. Jahrhundert in's Unendliche variirt haben, so daß gegenwärtig vier Classen von Salaten zu unterscheiden sind: der Blattsalat aus den Blättern, Blüthen oder Stengeln der Lattich-, Kohl-, Lauch- und Kressearten, des Spargels, des Hopfens, Löffelkrauts, Estragons, Boretsch, Löwenzahns, Ampfers, Portulaks, Champignons, der Endivie, Nessel, Rapunzel, Kaper, Tripmadam, Fetthenne u. s. w., dann der Wurzelsalat aus den Wurzeln oder Knollen der Sellerie, Petersilie, Schwarzwurz, Kartoffel, Zwiebel, Trüffel, der Rettigarten, der Rübenarten etc., ferner der Fruchtsalat aus den saftigen Früchten der Erbse, Bohne, Gurke, Tomate, sowie aus Aepfeln, Orangen, Pfirsichen oder Aprikosen und endlich der Fleischsalat namentlich aus leimreichem Fleisch (Schnecken, Kutteln und Ochsenmaul), aber auch aus pikanten Fischconserven, wie Häring und Sardelle, oder aus allerlei gesottenen und gebratenen Fleischresten, sei's Kalb, Geflügel, Fisch oder Hummer. Unter diesen Fleischsalaten ist der Kalbshirnsalat der albernste, der Hummersalat der trockenste, der Häringsalat der populärste, der italienische Salat (aus Sardelle, Häring, Neunauge, Salami, Schinken, Kalbsfuß, Aepfel, Gurke, Rothrübe und Olive mit kalter Senfsauce) der unvermeidlichste und der Zigeunersalat (franz. Salade Murger), aus gesottenen Geflügelmagen und Kalbsfuß mit Zwiebel, Kerbel, Estragon, Senf und Pfeffer, der neueste, während unter den Pflänzensalaten der einfache Lattichsalat den gemeinen Mann, der bunte Salat, aus allen möglichen Kräutern zusammengemengt, den liberalen Bürger und der russische Salat aus Gelbrüben, Kartoffeln, Kapern, Sellerie, Apfel, Gurke, Häring und Sardelle mit saurem Rahm und Zucker den Aristokraten repräsentirt. Kaum weniger mannigfaltig als die wesentlichen Bestandtheile sind die Würzen des Salats, unter denen neben dem Essig der Wein, neben dem Oel der Speck, neben dem Salz der Zucker figurirt, und je nach Gelegenheit auch die Citronensäure und der saure Rahm, das Eigelb und das Gänseschmalz, der Pfeffer, der Senf, die Zwiebel, der Schnittlauch, der Estragon, der Kerbel, der Boretsch, die Bratensauce u. s. w. eine Rolle spielen. Im Allgemeinen behaupten jedoch wie unter den Grundstoffen die Vegetabilien, so unter den Würzen Essig. Oel und Salz das Uebergewicht. Die rechte Verwendung dieser drei Substanzen bildet den Schwerpunkt der Salatbereitung und das Sprichwort lehrt mit Grund, daß die Herstellung eines klassischen Salats fünf Personen erfordere: einen Geduldigen, der die Kräuter verliest, einen Verschwender, der das Oel spendet, einen Geizigen, der den Essig zumißt, einen Weisen, der das Salz abwägt, und einen Narren, der Alles gründlich durcheinander mengt. Wo ein Mitglied dieser Fünfeinigkeit aus der Rolle fällt, ist als Sechster noch ein Hungerkranker von Nöthen, der das Gericht verzehrt; denn nichts schmeckt trostloser als ein versalzener, nichts bekommt weniger gut als ein versauerter Salat. Der gerechte und vollkommene Salat soll und muß die Zunge kitzeln, ohne zu brennen, den Gaumen erfrischen, ohne zu kratzen und den Magen anregen, ohne zu überreizen. Ein solcher Salat ist ein verkörpertes Ideal und bildet die würdigste Begleitung für den Braten. Dies Ideal wird aber allemal verfehlt nicht blos durch ein Zuviel an Essig und Salz, wie es dem haarsträubenden deutschen Gasthaussalat eigen ist, sondern auch wenn der Essig vor dem Oel zugesetzt wird, wie dies aus Unerfahrenheit in manchen Küchen vorzukommen pflegt. Die Salatbereitung hat also bei aller Einfachheit des Gerichts ihre eigenen Schwierigkeiten, und wer alle ihre Klippen zu vermeiden weiß, darf daher nicht nur für ein äußerst brauchbares Mitglied der menschlichen Gesellschaft gelten, sondern wird auch einer Dosis Ruhms nicht ermangeln, denn wie der Lateiner sagt: „Nihil tam parvum est, quod non gloriam parere possit, oder zu deutsch: „Es ist kein Verdienst so gering, daß man dafür nicht mit einem Orden bedacht werden könnte.“ Vgl. auch Lattich.